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Freitag, 11. Mai 2012

Ist der Fiskalpakt ein Staatsstreich?

Da hat jemand zu spät auf den Knopf gedrückt: Kurt Beck begründete seine Kritik am derzeitig geplanten Fiskalpakt damit, dass nach Verabschiedung der dann uneingeschränkt befugte Gouverneursrat Bundesländern verbieten könnte, Studiengebühren zu streichen oder Kindergartenjahre beitragsfrei zu machen. Man habe am Vorabend diskutiert und jemand habe, nicht einfach so, sondern begründet geäußert:
Der Fiskalpakt komme eigentlich einem organisierten Staatsstreich nahe.
Gern hätte man die Reaktion seiner Zuhörer im Bundesrat gehört, gern hätte man gesehen, wer klatscht, wer den Kopf schüttelt.
Immerhin hat Phoenix TV beim Schneiden diese Äußerung Becks noch in der Übertragung zugelassen. Kaum war das Wort "Staatsstreich" aber über Becks Lippen, da gab es einen Schnitt und Beck war plötzlich auf dem Weg vom Pult zum Platz.
Bis dahin hatte man doch noch geglaubt, man sei live dabei...

Der Leser mag sich fragen, ob er an einer Überschrift in seiner Tageszeitung auf dem Titelblatt am folgenden Tag, dem 12.5.2012, mit folgendem Wortlaut

. . . . . . . . ."Beck: Fiskalpakt ist Staatsstreich". . . . . . . . . . . .

interessiert wäre. Würde er die Zeitung kaufen, würde er den Artikel lesen, würde er sich "empören", frei nach Hessel?

Beantwortet der Leser diese Frage mit "Ja", dann mag er sich fragen, warum es keine Meldung über Becks Rede gibt, in der diese Äußerung enthalten ist. Um das zu ändern, wird dieser Text geschrieben.

Immerhin berichtet die Süddeutsche Zeitung von einer Rede des ehemaligen Ministerpräsidenten Milbradt auf einem CDU-Parteitag, dessen Inhalt ähnlich deutlich war. Der Journalist tadelt Milbradt natürlich, die CDU höre ihm nicht zu. Mit der Kommentierung sichert sich der Kollege seinen Arbeitsplatz, hat aber gleichzeitig die Information über den Aufstand gegen den Fiskalpakt innerhalb der CDU dem Leser übermittelt.

Solch subversiver Journalismus war früher eher das Markenzeichen mutiger Menschen in Diktaturen.

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