Zu Hartz reicht man Tichy an Hickel und Heckel
Presseclub. Hochsommer. Zu Hartz reicht man Tichy an Hickel und Heckel. Schönenborn hat sich mit jahrelangem Verlesen von Umfrage-Zahlen nach oben gestolpert, könnte man meinen. Aber beim Koloss WDR verbirgt sich mitunter im Schatten des Doms handfester guter Journalismus. Schönenborn durchbricht schon mal die neoliberale Meinungsherrschaft über ganze Themen-Bereiche und lädt Gäste ein, die anderer Meinung sind.
Das erinnert an ruhmreiche Zeiten, als Kriege in Nahost tobten, Herr Höfer Vertreter der Kriegs-Parteien zum rein verbalen Meinungs-Austausch nötigte.
An diesem heißen Sommertag ließ Schönenborn etwa einen Anrufer ausreden, der dem Herrn Tichy seine persönliche Wut und Enttäuschung über die in Wirklichkeit gründlich misslungenen Schröder-"Reformen" ungebremst mitteilte. Nach zehn Jahren Arbeitslosigkeit beginne nun die Altersarmut und es gäbe keine Möglichkeit, daraus zu entkommen. Tichy machte wohl auch dem letzten Zuschauer klar, dass er für Opfer nicht zuständig sei, Arbeitslose seien nicht ! "seine" Arbeitslosen. Tatsächlich hatte der anrufende Arme exakt das benannt, was Kern der neoliberalen Politik in Deutschland war und ist:
Die Antwort auf Massenarbeitslosigkeit ist Armut, Lohn-Dumping, Alters-Armut und Arbeit plus Rente bis zum letzten Tag. Denn durch diese Verarmungsorgie, die vor der Rente nicht halt machte und noch längst nicht am Ende ist, verschafft sich die EZB das "Pulver", mit dem sie die Spekulanten zu behrrschen versucht. Zum Jahreswechsel 2011/2012 wurden 1 Billion Euro in den Markt geschoben, wieviel Hunderttausend Familienväter hätten damit ihr gesamtes Erwerbsleben samt Sozialversicherungs- und Renten-Beiträge bestreiten können?
Mit ESM/Fiskalpakt wird die Verarmungsmaschine in ganz Europa installiert. Auf Ungleichgewichte und Störungen wird künftig allein mit weiterer Verarmung reagiert, ja, es wird einen Verarmungs-Wettbewerb der Völker gegeneinander durch ihre Eliten institutionalisiert.
Aber zur Ehren-Rettung des Herrn Tichy sei noch angefügt: Er fand dann doch auch noch ein Haar in der Suppe eines Anderen. Um das Ausmaß des deutschen Elends zu verdeutlichen, erzählte Frau
Schmitt-Roschmann, in der Hauptstadt-Redaktion ihrer Zeitung habe sie einen 32jährigen Kulturwissenschaftler als unbezahlten Praktikanten erlebt. Ein gutes Beispiel für Staatsversagen, denn Gewerkschaften und Tarifpartner haben hier ohne staatliche Regelung praktisch keine Chance. Nur wenn alle Marktteilnehmer im Bereich Medien Praktikanten nach Gesetz vergüten müssten, gäbe es eine Verbesserung für die Betroffenen. Die Politik kann aber Medien weitaus besser in ihrem Sinn steuern, wenn die Inhalte möglichst wenig von Fest-Angestellten gefertigt werden. Denn ein kritischer "Freier" oder "Praktikant" braucht nicht entlassen zu werden, er bekommt einfach keinen neuen Auftrag. Das Beispiel von Schmitt-Roschmann beschrieb deshalb den Zustand der Republik sehr gut. Tichy dagegen genoss einen Triumpf, den wohl nur er und wenige Unverbesserliche so sahen: Er verortete das Problem beim Verleger, dem gehe es gut und der solle doch den Praktikanten aus der privaten Schatulle bezahlen.
Tichy hatte sichtlich Vergnügen, wieder so ein schöner verbaler Tichy-Triumpf. Aber, Herr Tichy, hat nicht Hollande ähnliche Maßnahmen vorgeschlagen? Zur Bewältigung der Krise bitten wir die Reichen zur Kasse, mit 70% Einkommenssteuer wie Roosevelt in den USA. Toll, Tichy!
Das erinnert an ruhmreiche Zeiten, als Kriege in Nahost tobten, Herr Höfer Vertreter der Kriegs-Parteien zum rein verbalen Meinungs-Austausch nötigte.
An diesem heißen Sommertag ließ Schönenborn etwa einen Anrufer ausreden, der dem Herrn Tichy seine persönliche Wut und Enttäuschung über die in Wirklichkeit gründlich misslungenen Schröder-"Reformen" ungebremst mitteilte. Nach zehn Jahren Arbeitslosigkeit beginne nun die Altersarmut und es gäbe keine Möglichkeit, daraus zu entkommen. Tichy machte wohl auch dem letzten Zuschauer klar, dass er für Opfer nicht zuständig sei, Arbeitslose seien nicht ! "seine" Arbeitslosen. Tatsächlich hatte der anrufende Arme exakt das benannt, was Kern der neoliberalen Politik in Deutschland war und ist:
Die Antwort auf Massenarbeitslosigkeit ist Armut, Lohn-Dumping, Alters-Armut und Arbeit plus Rente bis zum letzten Tag. Denn durch diese Verarmungsorgie, die vor der Rente nicht halt machte und noch längst nicht am Ende ist, verschafft sich die EZB das "Pulver", mit dem sie die Spekulanten zu behrrschen versucht. Zum Jahreswechsel 2011/2012 wurden 1 Billion Euro in den Markt geschoben, wieviel Hunderttausend Familienväter hätten damit ihr gesamtes Erwerbsleben samt Sozialversicherungs- und Renten-Beiträge bestreiten können?
Mit ESM/Fiskalpakt wird die Verarmungsmaschine in ganz Europa installiert. Auf Ungleichgewichte und Störungen wird künftig allein mit weiterer Verarmung reagiert, ja, es wird einen Verarmungs-Wettbewerb der Völker gegeneinander durch ihre Eliten institutionalisiert.
Aber zur Ehren-Rettung des Herrn Tichy sei noch angefügt: Er fand dann doch auch noch ein Haar in der Suppe eines Anderen. Um das Ausmaß des deutschen Elends zu verdeutlichen, erzählte Frau
Schmitt-Roschmann, in der Hauptstadt-Redaktion ihrer Zeitung habe sie einen 32jährigen Kulturwissenschaftler als unbezahlten Praktikanten erlebt. Ein gutes Beispiel für Staatsversagen, denn Gewerkschaften und Tarifpartner haben hier ohne staatliche Regelung praktisch keine Chance. Nur wenn alle Marktteilnehmer im Bereich Medien Praktikanten nach Gesetz vergüten müssten, gäbe es eine Verbesserung für die Betroffenen. Die Politik kann aber Medien weitaus besser in ihrem Sinn steuern, wenn die Inhalte möglichst wenig von Fest-Angestellten gefertigt werden. Denn ein kritischer "Freier" oder "Praktikant" braucht nicht entlassen zu werden, er bekommt einfach keinen neuen Auftrag. Das Beispiel von Schmitt-Roschmann beschrieb deshalb den Zustand der Republik sehr gut. Tichy dagegen genoss einen Triumpf, den wohl nur er und wenige Unverbesserliche so sahen: Er verortete das Problem beim Verleger, dem gehe es gut und der solle doch den Praktikanten aus der privaten Schatulle bezahlen.
Tichy hatte sichtlich Vergnügen, wieder so ein schöner verbaler Tichy-Triumpf. Aber, Herr Tichy, hat nicht Hollande ähnliche Maßnahmen vorgeschlagen? Zur Bewältigung der Krise bitten wir die Reichen zur Kasse, mit 70% Einkommenssteuer wie Roosevelt in den USA. Toll, Tichy!
Roger Dorfner - 21. Aug, 12:57